Was sind Frühgeborene ( Frühchen ) ?

Frühgeborene sind alle Kinder, die vor der vollendeten 37.
Schwangerschaftswoche geboren werden. Das Geburtsgewicht ist
dabei nebensächlich.

Extreme Frühgeborene kommen teilweise bis zu 16 Wochen zu früh auf die Welt.
6-7% aller Geburten sind Frühgeburten, davon wiegen ca. 1,5% weniger als 1500 g.
Diese Prozentzahl hat sich in den letzten Jahren nicht wesentlich verändert.
Frühgeborene sind unreif, aber nicht "unfertig ". Sie sind wegen ihrer
Unreife besonders gefährdet. Frühgeborene können ihre
Körpertemperatur noch nicht selbst bzw. nicht ausreichend
regulieren. Der Inkubator oder auch "Brutkasten " genannt, sorgt mit
einer Heizung für eine angemessene Umgebungstemperatur und für
ausreichende Luftfeuchtigkeit.
Die Kinder haben eine feine, fast durchsichtige Haut. Der Körper ist
manchmal noch zart behaart, Finger- und Zehennägel sind nur
ansatzweise zu erkennen.
Die Lunge ist oft noch nicht ausgereift oder der Atemantrieb noch
nicht ausreichend und sehr kleine Frühgeborene müssen deshalb
künstlich beatmet werden.
Das Magen-Darm-System kann anfangs nur sehr kleine Mengen an
Nahrung Verstoffwechseln: 1 ml Milch kann schon eine ganze
Mahlzeit für solch ein Kind sein.
Da der Saug- und Schluckreflex vor der 30. Schwangerschaftswoche
nur schwach ausgeprägt ist, werden diese Kinder über eine
Magensonde, ergänzend dazu über Infusionen ernährt. Es gibt aber
auch Kinder, die schon in der 26-27. SSW. selbständig atmen und
trinken können. Sie sind zwar Ausnahmen, aber es gibt sie.
Auf Grund des mangelnden Immunsystems, sind Frühgeborene
besonders anfällig für Infektionen.
Wenn man all diese Faktoren berücksichtigt, kann man sich
vorstellen, warum eine intensivmedizinische Überwachung notwendig
ist.
Bei allen notwendigen Maßnahmen darf man allerdings nicht
vergessen, dass Frühgeborene Individuen mit ganz speziellen
Bedürfnissen sind und dass neben sachlichen auch sehr viele soziale
Kontakte wichtig sind.
Trotz ihrer Unreife können diese kleinen Kinder schon sehr viel; sie
können von Anfang an hören, sehen, schmecken und fühlen, sie
reagieren auf Geräusche und Berührung.
Ihre Mimik ist sehr ausdrucksvoll, sie sind schon kleine
Persönlichkeiten.
Diese Fähigkeiten nutzen wir, um den Kindern neben den vielen
negativen Reizen der Intensivmedizin auch sehr viele positive Reize zu vermitteln.
Die wichtigste Rolle spielen dabei die Eltern.
Das vorzeitige Ende der Schwangerschaft, die Trennung von der
Mutter und somit positiven Reizen, versucht man durch die
sogenannte Känguruh-Methode auszugleichen.
Die Haut ist das Organ des Menschen, welches durch Berührung am
intensivsten positive Reize aufnehmen kann. Das macht man sich bei
der Känguruh-Methode zunutze.
Beim Känguruhn sitzen die Eltern bequem < Das Kind wird ihnen auf die nackte Brust gelegt und es kann so
wieder ein intensiver Kontakt zum Kind stattfinden.
Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Methode angenehm für Kind und Eltern ist.
Es gibt viele positive Reize wie:
- intensiver Hautkontakt
- Wärme, Geborgenheit, Herzgeräusche der Eltern
- Atmung wird günstig beeinlusst (Atemrhythmus der Eltern
stimuliert Kind
oftmals geringerer zusätzlicher Sauerstoffbedarf)
Selbst beatmeten Kindern tut dieser Ausflug zu Mama oder Papa, oft
über mehrere Stunden am Tag, sehr gut.
Die " Känguruh-Methode " bei Frühgeborenen wurde 1979 aus einer
Not heraus in Bogota, Kolumbien, entwickelt.
Man hatte zu wenig Inkubatoren, Personal usw., deshalb beschloß
man ein " Heimpflege-Programm ". Auch kleinste Frühgeborene
wurden ihren Müttern mit nach Hause gegeben, wenn ihr Zustand
stabil war. Die Mütter wurden in Fragen der Pflege und Ernährung
eingewiesen. Sie trugen ihre Kinder aufrecht direkt unter der
Kleidung auf der Haut. Mit dieser Methode konnte man damals die
Sterblichkeit bei Frühgeborenen stark senken.
Im Klinikum Saarbrücken-Winterberg praktizieren wir diese Methode
seit 1992.
Gerade Eltern von " Frühchen, "bzw. Eltern von kranken
Neugeborenen brauchen die Möglichkeit des Känguruhns in
besonderem Maße. Sie müssen ihre Elternrolle unter schwersten
Bedingungen aufnehmen. Durch die Känguruh-Methode kann dies
intensiver und frühzeitiger als noch vor wenigen Jahren geschehen.
Viele Eltern sehen es als Chance, ihre Kinder auf besondere Art und
Weise kennenzulernen und ihre Ängste durch das damit wachsende
Vertrauen zu überwinden.
Wir, Eltern .Schwestern, Ärzte, aber auch Freunde betroffener
Familien haben es uns zur Aufgabe gemacht, die Bedingungen zu
schaffen, damit diese primäre Bindung zwischen dem Frühchen und
seinen Eltern " ungestört " stattfinden kann.
Eltern sind keine Besucher, sondern sie sind Familie und dieses "
Familienleben " sollte in einer angenehmen, freundlichen Atmosphäre
möglich sein.
Leider ist auch heute durch den ständig "schrumpfenden "
Krankenhausetat vieles nicht finanzierbar.
Aus diesem Grund haben wir am 06.01.1996 den Förderverein "Känguruh-Kinder "e. V.
gegründet. Sicherlich verstehen Sie jetzt auch, warum wir gerade
diesen Namen gewählt haben.
Der Verein ist gemeinnützig, alle Gelder kommen ausschließlich der
Frühgeborenenstation des Klinikum Saarbrücken-Winterberg zugute.
 
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